Marco Walter

Ein Glaser mit Durchblick

Interview mit Marco Walter, BOS 14, Allgemeine Hochschulreife 2015

Bitte schildern Sie kurz Ihren schulischen und beruflichen Werdegang!

Begonnen hat alles 1999 an der Grund- und Hauptschule Einfeld, 2003 wechselte ich in die Hauptschule in Einfeld. Nach meinem erfolgreichen Hauptschulabschluss (2,4) wechselte ich 2008 zur Walther-Lehmkuhl-Schule und versuchte dort meinen Realschulabschluss. Ich habe meine Realschule mit 3,2 erreicht. Danach hatte ich keine Lust mehr auf Schule und suchte mir eine Ausbildung. 2010 bis 2013 machte ich dann meine Ausbildung zum Glaser für Verglasung und Glasbau und schloss diese mit 1,7 ab. Während der Ausbildung fand ich die Freude an der Schule wieder und habe mich direkt im Anschluss an der Walther-Lehmkuhl-Schule beworben, denn ich wollte nun mein Abitur erlangen. 2013/2014 besuchte ich die Fachoberschule (FOS) und 2014/2015 die Berufsoberschule (BOS). Dort erlangte ich heute erfolgreich meine Allgemeine Hochschulreife mit 2,3.

Marco Walter

Marco Walter in der Metallwerkstatt der WLS. An die kleine Lokomotive, die er hier vor einigen Jahren im Fachpraxis Unterricht der BFS gefertigt hatte, erinnert er sich noch gut.

 

Welche Abschlüsse gibt es in Ihrer Familie? Wie würden Sie ihre Familie und Ihr Umfeld beschreiben?

Die Abschlüsse meine Familie fallen eher einfacher aus aber dennoch machen sie besser bezahlte Arbeiten. Mir ist nicht bekannt, dass jemand die allgemeine Hochschulreife erlangt hat.

Welche Bedeutung hatte die Berufsausbildung für Sie?

Das Wichtigste: Erwachsen zu werden! Dank der Ausbildung verstehe ich mein Umfeld viel besser und bin dadurch auch viel selbstständiger und unabhängiger geworden. Ich kann es nur jedem empfehlen, eine Ausbildung zu absolvieren.

Wodurch kamen Sie an die Berufsfachschule, Fachoberschule oder an die Berufsoberschule?

Zur Berufsfachschule kam ich eigentlich dadurch, dass viele aus meiner Hauptschulklasse dorthin wechselten und ich noch nicht bereit war, mir eine Ausbildung zu suchen. Das System der Berufsfachschule ist so auch nur an Beruflichen Schulen möglich. Zur Fachoberschule und Berufsoberschule kam ich daher, dass ich durch mein schlechtes Realschulzeugnis nie im Beruflichen Gymnasium angenommen worden wäre.

Wie konnten Sie die Zeit der FOS und BOS finanziell überstehen?

Für mich gab es finanziell keinen Unterschied zur Ausbildung. In der Ausbildung verdiente ich rund 300€ im Monat. Außerdem arbeitete ich auf 450€- Basis an einer Tankstelle. Die Zeit in der FOS und BOS wurde staatlich gefördert mit bis zu 390€ im Monat. Dazu war ich weiterhin an einer Tankstelle tätig. Es war manchmal nicht einfach, aber ich konnte so die FOS und BOS gut finanziell überstehen.

Beenden Sie bitte die folgenden Sätze!

  • Wenn mir mit 15 jemand gesagt hätte, dass ich 2015 Abitur machen, dann…
    …hätte ich scherzhaft gesagt: „ Das stimmt!“, ohne zu glauben, dass ich es wirklich mal schaffen würde.
  • Nach dem Abitur werde ich…
    …Wirtschaftsingenieurwesen studieren.
  • Am besten hat mir an der WLS gefallen, dass…
    …die Lehrer Fachleute auf ihrem Gebiet waren und so das Wissen auch aus dem wahren Leben mit einbrachten.
  • Nicht gefallen hat mir…
    …die teilweise schlecht abgesprochene Planung der Lehrkräfte und der verschiedenen Leiter. Es war oftmals chaotisch und anstrengend.
  • Ohne die Möglichkeiten der beruflichen Bildung wäre ich heute...
    …jemand der nichts hinterfragen würde, keine eigene Meinung hätte, nicht zukunftsorientiert wäre. Ich würde die Welt wohl weniger gut verstehen.


Das Interview führte Bernd Galle, Lehrer für Technologische Systeme. 09.07.2015

 
 
 

Anschrift

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Regionales Berufsbildungszentrum
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